450 Tage Pandemie

So ziemlich vor 450 Tagen schlich sich Corona in unseren Alltag. Bald anderthalb Jahre und vieles wurde zur Routine. Vieles ist jedoch noch genau so erschreckend und beängstigend wie damals. Wie hat sich Corona auf unser Haus ausgewirkt? Wie wurde reagiert? Themen und Fragen, die man vorher nicht kannte, beschäftigten uns plötzlich rund um die Uhr.
Februar 2020 hörte man zum ersten Mal davon – Corona. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, welche Dimension dieses Virus mit sich bringen wird. Was aber schon bald darauf folgte, ähnelte eher einem Horrorfilm, als sonst irgendeiner Erfahrung, die wir bis dahin gemacht hatten.


Nach Einführung von Schutzmaßnahmen in allen Bereichen, erfolgte am 17. März 2020 der erste Lockdown. Alle Teilnehmerinnen des Hauses wurden ins Home-Schooling entlassen. Schulungsarbeitsplätze mussten deutschlandweit vorgehalten und eingerichtet werden. Von heute auf morgen mussten Kameras und Headsets ausgeliefert und installiert werden. Softwarelizenzen, Plattformen und Kommunikationskanäle mussten eingekauft, vermittelt und abgeklärt werden. Eine rein infrastrukturelle Herausforderung, die jedoch damit einhergeht, dass das Home-Schooling nicht jedermanns Sache ist. Insbesondere spätsehgeschädigte und späterblindete Menschen brauchen den Austausch mit Gleichgesinnten, den direkten Kontakt zurm Reha-Ausbilder*in. Isoliert zu Hause zu lernen ist schwer, auch wenn man bei seinen Lieben ist. So ist es besonders schwierig seinen Alltag und die Umschulung gleichermaßen erfolgreich zu bewältigen. Zusätzlich spielen Ängste und Sorgen eine wichtige Rolle. Ist die Lösung nun sich einzukapseln oder doch an der berufssichernden Maßnahme teilzunehmen? Für viele eine zermürbende Frage.
Die Wiederöffnung des BFW nach einigen Wochen versprach Normalität, wo durch Einführung der Schutzmaßnahmen jedoch fast nichts normal verlief. Maskenpflicht, Abstandsgebote, Einwegesystem, alles Begriffe, die vorher nie Thema waren. Alle Abläufe mussten erneut dem Präsenzbetrieb angepasst werden. Erneut bedeutete dies viel Arbeit. Arbeit, die alle dank der Präsenz sehr begrüßten, doch die neue Normalität hielt nicht lange an. Schon am 16. Dezember 2020 folgte der zweite Lockdown. Und wieder hieß es Ausstattung der Teilnehmenden zu Hause, Umstellung auf digital und Ausschluss bestimmter Angebote. Der einzige Vorteil war, man hatte alles schon einmal erlebt.
Wie gut alle Beteiligten im BFW die schwierige Situation gemeistert haben, zeigen die tollen Prüfungsergebnisse unserer Teilnehmenden und die Vermittlungserfolge auf dem ersten Arbeitsmarkt. Es wurden über 50% der Absolventen von 2020 in Arbeit vermittelt und Luft nach oben ist auch noch vorhanden.


Will man Corona etwas Positives abgewinnen, muss ganz klar gesagt werden, dass sich durch Corona ein Digitalisierungsschub ergeben hat. Die Nutzung von Lernplattformen wurde deutlich erweitert und eine Fokusverschiebung auf die Medienkompetenz ist ebenso positiv zu bewerten.
Negativaspekte sind ganz klar die psychische Belastung und die zusätzlichen Anforderungen an die gesamte Belegschaft und an unsere Teilnehmenden, weshalb eine sehr enge Anbindung an den psychologischen und den sozialpädagogischen Dienst erforderlich ist.


Was alle aus der Krise jetzt schon mitnehmen, ist definitiv, dass mehr möglich war, als man jemals vermutet hätte. Gemäß dieser Erkenntnis schauen wir positiv in die Zukunft und ziehen alle gemeinsam an einem Strang, um das Beste aus der Krise herauszuholen.