Eigentlich war alles auf einem sicheren Kurs: 25 Jahre lang schnitt Frau A. Filme für Fernsehen und Film, gewann Preise, arbeitete für renommierte Studios und prägte mit ihrer Expertise unzählige Produktionen. Parallel dazu führte sie ein zweites kreatives Leben – als bildende Künstlerin und Kuratorin, international ausgestellt, anerkannt, leidenschaftlich. Ein Leben voller Bilder, Farben, Geschichten. Eine berufliche Neuorientierung kam eigentlich nicht in Frage.
Doch dann kam das Jahr 2022. Ein Schicksalsschlag, eine Diagnose – und plötzlich war die Zukunft unklar. Für jeden Menschen wäre das ein tiefer Einschnitt gewesen, für eine alleinerziehende Mutter eines Schulkindes aber war es ein Erdbeben: Die Seheinschränkung und die damit verbundenen Schmerzen führten zu einer starken Mobilitätseinschränkung.
Reicht das Geld? Bleibt der Job? Wie soll man Alltag, Kind und gesundheitliche Veränderungen unter einen Hut bringen? Fragen über Fragen – und zunächst keine Antworten.
Vom Schnittraum ins BFW: Ein Neuanfang zwischen Angst und Aufbruch
Zudem drohte der Arbeitgeber mit Kündigung, da perspektivisch kein geeigneter Einsatzbereich mehr gesehen wurde. 2024 folgte der Funktionstest im BFW Halle, 2025 dann der Start im BFW Düren in der Außenstelle in Hamburg, nahe am Wohnort. Ein Anfang, der eher nach Verzweiflung als nach Zuversicht aussah.
Doch Schritt für Schritt wurden die größten Brocken aus dem Weg geräumt: Unterstützung bei der Suche nach einer neuen, bezahlbaren Wohnung für Mutter und Kind. Schulungen in Hard- und Software, die plötzlich neue Wege eröffneten. Und besonders wertvoll: das Blind-Tastschreiben – ein Werkzeug, das Freiheit und Tempo zurückbrachte.
Arbeitsplatz erhalten durch Rehabilitation und Anpassung
Dann die Begleitung beim bestehenden Arbeitgeber. Es brauchte Überzeugungskraft, Mut und fachliche Beratung seitens des BFW Düren (Außenstelle Hamburg), um zu zeigen: Frau A. kann noch viel mehr als zuvor gedacht.
Und so wurde eine Arbeitserprobung eingerichtet – drei intensive Monate der Anpassungen, Tests und neuen Ideen. Das Ergebnis: ein völlig neues Arbeitsfeld, das es vorher im Unternehmen nicht gab – und das nicht nur ihr, sondern auch den Kollegen zugutekommt. Parallel wurde ein mobiler, reiz- und schmerzreduzierter Arbeitsplatz geschaffen, mit dem sie flexibel und familiengerecht arbeiten kann.
Erfolgreiche berufliche Rehabilitation: zurück in den Job
Am Ende des Jahres konnte Frau A. nicht nur ihren Arbeitsplatz behalten – sie schrieb ein Stück Geschichte. Als vermutlich erste seheingeschränkte Cutterin Deutschlands arbeitet sie weiter in ihrem Berufsfeld und hat sich zusätzlich ein individuell angepasstes Homeoffice aufgebaut, das ihr ein selbstbestimmtes, gesundes und stabiles Arbeiten ermöglicht.
Ihr Einkommen ist gesichert, ihr Alltag mit Kind wieder lebbar – und dank Lupentechnik fand sie sogar zurück zu ihrer Kunst.
Mit fachlicher Begleitung, technischem Know-how des BFW Düren (Außenstelle Hamburg) und unerschütterlichem eigenen Willen entstand etwas, das weit über berufliche Integration hinausgeht: eine nachhaltige Basis für ein selbstbestimmtes Leben mit Seheinschränkung.
Und wir wissen: Diese Geschichte ist nicht das Ende. Sie ist der Anfang eines neuen, starken Kapitels.
