Erfahrungsbericht: Mit Sehbehinderung zurück ins Berufsleben – meine Zeit im BFW Düren

Günter Kriegsmann sitzt auf einer Bank im Freien, im Hintergrund blühende Bäume und Grünflächen. Links oben ist das gelb-blaue Logo des BFW Düren zu sehen. Rechts steht in einer weißen Sprechblase: „Günter Kriegsmann: ‘Meine Zeit im BFW Düren – ein neuer Anfang’“.

Ein neuer Anfang

Mein Name ist Günter Kriegsmann, ich bin 58 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder und lebe mit meiner Familie in Trier. Über 25 Jahre lang war ich als Key Account Manager in der IT-Branche tätig – ein Beruf, den ich mit Leidenschaft ausgeübt habe. Doch im Frühjahr 2022 änderte sich mein Leben von einem Tag auf den anderen: Durch ein Glaukom (Grüner Star) verlor ich mein Augenlicht. Ich war aus meinem gewohnten Leben herausgerissen und fragte mich: Wie soll es jetzt weitergehen?

Der Weg nach Düren

In dieser schweren Zeit lernte ich durch meine Rehabilitationslehrerin für Orientierung und Mobilität das Berufsförderungswerk Düren kennen. Sie erzählte mir, dass dort Menschen unterstützt werden, die durch eine Sehbehinderung oder Erblindung ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Das machte mir Mut. Ich nahm Kontakt zu einer Rehabilitandin auf, die mir ehrlich und offen von ihren Erfahrungen berichtete. Danach wusste ich: Das möchte ich auch versuchen.

Nach Genehmigung meines Antrags auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben durch die DRV Bund, startete im Dezember 2023 die Abklärung der beruflichen Eignung und ab Januar 2024 war ich dann offiziell Teil der blindentechnischen Grundrehabilitation. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, hier ernst genommen zu werden. Ich wurde nicht als jemand gesehen, der etwas verloren hat, sondern als jemand, der etwas Neues beginnen kann.

Lernen, sich selbst wiederzufinden

Die ersten Wochen waren herausfordernd. Plötzlich musste ich lernen, meinen Alltag neu zu organisieren, mich zu orientieren und selbstständig zu sein. Aber genau das war das Besondere am Berufsförderungswerk Düren: Hier bekam ich nicht nur Schulungen, sondern auch ganz praktische Unterstützung, Mobilitätstraining, lebenspraktische Fertigkeiten, Entspannungstechniken und natürlich den Umgang mit dem Computer, JAWS und der Braillezeile.

Ich erinnere mich noch gut, wie stolz ich war, als ich die ersten Aufgaben am PC wieder selbstständig erledigen konnte. Diese kleinen Erfolge haben mich getragen. Auch die Auffrischung in Deutsch und Mathematik hat mir gutgetan, nicht nur fachlich, sondern auch, um wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen. Mittlerweile bin ich in der Integrationsmaßnahme für sehgeschädigte Menschen und bereite mich final auf meinen Wiedereinstieg ins Berufsleben vor.

Gemeinschaft, die trägt

Was die Zeit in Düren für mich besonders gemacht hat, waren die Menschen. Die Dozenten waren engagiert, verständnisvoll und immer hilfsbereit. Auch unter uns Rehabilitanden herrschte ein großartiger Zusammenhalt. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, motiviert und voneinander gelernt. Diese Gemeinschaft hat mir unheimlich geholfen, dranzubleiben. Ich habe dort tolle Menschen kennengelernt, einige davon sind heute Freunde.

Schritt für Schritt zurück in den Beruf

Durch das Training am BFW habe ich das Vertrauen in mich selbst zurückgewonnen. Ich habe gelernt, dass mein Sehvermögen zwar verschwunden ist, aber meine Kompetenzen geblieben sind. Ich bin stolz darauf, dass ich wieder arbeitsfähig bin, etwas, das ich am Anfang der Maßnahme nicht für möglich gehalten hätte.

Heute arbeite ich wieder in meiner alten Firma, aber in einer neuen Rolle. Als Partner Development Manager bin ich verantwortlich für Kundenkommunikation, Eventplanung, Lead-Management und Kundenzufriedenheit. Die Stelle wurde speziell für mich geschaffen, das zeigt mir, dass mein Arbeitgeber an mich glaubt. Ich freue mich darauf, wieder Teil des Teams zu sein und aktiv zum Erfolg des Unternehmens beizutragen.

Mein Fazit

Die Zeit im BFW Düren hat mir gezeigt, dass man auch nach einem Schicksalsschlag neu anfangen kann. Ich habe dort nicht nur gelernt, wieder zu arbeiten, ich habe gelernt, wieder zu leben. Ich bin selbstbewusster, unabhängiger und ausgeglichener geworden.

Anderen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, möchte ich sagen: Seien Sie mutig. Nehmen Sie Hilfe an, sprechen Sie mit anderen und glauben Sie an sich. Man kann viel erreichen, wenn man bereit ist, sich auf Neues einzulassen.

Ein Leben mit neuen Perspektiven

In meiner Freizeit genieße ich es, mit meiner Familie Zeit zu verbringen. Ich fahre gerne Tandem, gehe auf Konzerte. Am meisten schätze ich heute die kleinen Dinge: gute Gespräche, Musik, Bewegung und Menschen, die mir begegnen. Das BFW Düren hat mir geholfen, all das wieder zu sehen und das auf meine eigene Weise.