Johannes von Helden unterrichtet seit mehr als 30 Jahren am Berufsförderungswerk Düren für das Studieninstitut Aachen. Im Gespräch berichtet der Diplom-Verwaltungswirt über seine Erfahrungen in der Ausbildung von Verwaltungsfachangestellten, die Bedeutung von Inklusion in der Verwaltung und die Chancen beruflicher Rehabilitation.
Seit 30 Jahren Freude an der Arbeit mit den Teilnehmenden
Besonders erfüllt ihn, Menschen mit Behinderungen oder psychischen Einschränkungen wieder ins Berufsleben zurückzuführen. Zu sehen, mit welchem Enthusiasmus sie ihren Neustart angehen, motiviert ihn seit Jahrzehnten.
Herausforderungen im Unterricht
Eine besondere Aufgabe besteht darin, komplexe Inhalte wie Diagramme, Tabellen oder Organisationsstrukturen so zu beschreiben, dass sie auch für blinde oder stark sehbehinderte Teilnehmende verständlich werden. Sprachliche Präzision ersetzt dabei visuelle Hilfsmittel – ein ständiges Umdenken.
Lernen von den Teilnehmenden
Aus über 30 Jahren Lehrtätigkeit hat er selbst viel gelernt: etwa wie anspruchsvoll es ist, mit minimalem Sehrest über ein Lesegerät Informationen mühsam und zeilenweise zu erfassen. Diese Perspektivwechsel haben seinen Blick auf Behinderung und Leistungsfähigkeit nachhaltig geprägt.
Chancen von Menschen mit Einschränkungen in der Verwaltung
Erfahrungen zeigen: Nach einer guten Einarbeitung arbeiten viele Rehabilitanden mindestens genauso engagiert und oft sogar konsequenter als Kolleginnen und Kollegen ohne Einschränkungen. Ihre Motivation ist hoch – und das spiegelt sich im Ergebnis wider.
Ist Verwaltung heute inklusiver als früher?
Hier bleibt er skeptisch. Echte Inklusion entsteht nicht durch Vorschriften, sondern durch Haltung: Mitarbeitende müssen Menschen mit Behinderung als gleichwertige Kolleginnen und Kollegen sehen und ihnen durch Ausbildung echte Chancen eröffnen.
Bewegende Erlebnisse aus dem Unterricht
Eine Szene aus den Anfangsjahren hat sich tief eingeprägt: Ein Teilnehmender musste ein Okular benutzen, um aus zwei Metern Entfernung überhaupt erkennen zu können, dass vorne eine Person sitzt. Das habe ihm die Dimensionen der Einschränkungen erstmals wirklich vor Augen geführt.
Erfolge, die Mut machen
Immer wieder gibt es Teilnehmende – auch über 50 Jahre alt –, die ihre Ausbildung mit Bravour absolvieren und später zu gefragten Mitarbeitenden werden. Solche Rückmeldungen sind für ihn der stärkste Beweis, dass der Einsatz wirkt und wichtig ist.
Ratschläge für aktuelle Teilnehmende
Erfolgreich sei, wer seine Einschränkung akzeptiert, von dort aus nach vorne schaut und aktiv mitarbeitet. Lernen sei keine Bringschuld der Einrichtung, sondern eine Holschuld der Teilnehmenden.
Wünsche für die Zukunft
Er wünscht sich, dass Absolventinnen und Absolventen auch Zugang zu weiterführenden Verwaltungsfortbildungen erhalten – in speziell angepassten Intensivformaten. Nur so wird echte Gleichstellung möglich.
Von zentraler Bedeutung ist für ihn der Erhalt des Berufsförderungswerks: Es bietet eine Ausbildung, die individuell auf verschiedene Behinderungen zugeschnitten ist – etwas, das herkömmliche Berufsschulen nicht leisten können. Die hohe Vermittlungsquote der Verwaltungsfachangestellten von rund 90 Prozent zeigt, wie erfolgreich dieses Modell ist. Gleichzeitig müssten Jobcenter und Beratungsstellen noch stärker über diese Chancen informieren.
